Unternehmen begannen in den 1970er- und 1980er-Jahren großflächig Computer einzusetzen. In den 90er-Jahren wurden die meisten dieser Computer mit dem wachsenden Internet verbunden. Fast jeder nutzte damals ein Netzwerk aus Computern in lokalen Rechenzentren, die vom firmeninternen Personal betrieben wurden – Sie erinnern sich vielleicht, dass manche Websites nach 17 Uhr Ortszeit offline gingen, wenn die IT-Mitarbeitenden die Server herunterfuhren und nach Hause gingen.
Das änderte sich in den 2000er-Jahren, als Unternehmen begannen, ihre IT-Dienste auf verschiedene Cloud-Plattformen zu verlagern. Die Cloud-Bereitstellung verlagert die mühsame Aufgabe, Hardware zu installieren und zu warten, in speziell dafür gebaute Rechenzentren, die mehrere Kunden bedienen.
Hybrid Cloud und Multi-Cloud sind zwei Strategien beim Cloud Computing, die Organisationen zur Verwaltung ihrer IT-Ressourcen nutzen. Sie unterscheiden sich jedoch in Architektur und Zweck.
Eine Hybrid Cloud kombiniert Private Cloud (unternehmenseigene, lokale Infrastruktur) und Public Cloud (über das Internet angebotene Dienste von Drittanbietern) und ermöglicht die gemeinsame Nutzung von Daten und Anwendungen zwischen beiden. Dieser Ansatz bietet Flexibilität und mehr Bereitstellungsoptionen. Unternehmen können Daten einfacher verwalten, regulatorische Vorgaben erfüllen und ihre IT-Ressourcen für verschiedene Workloads optimieren.
Bei einer Multi-Cloud-Strategie werden mehrere Cloud-Computing-Dienste verschiedener Anbieter genutzt – häufig, um nicht von einem einzelnen Anbieter abhängig zu sein, die Ausfallsicherheit zu erhöhen und von jeweils besten Lösungen zu profitieren. Multi-Cloud-Umgebungen können jede beliebige Kombination aus Public Cloud, Private Cloud oder Hybrid-Cloud-Lösungen umfassen. So können Unternehmen für verschiedene Aufgaben – je nach spezifischen Anforderungen wie Kosten, Leistung oder geografischem Standort – unterschiedliche Cloud-Dienste auswählen.
Während beide Strategien höhere Flexibilität und potenzielle Kosteneinsparungen bieten, steigern sie auch die Komplexität bei Verwaltung und Integration. In diesem Beitrag zeige ich die Gemeinsamkeiten und Unterschiede, damit Sie eine fundierte Entscheidung treffen können.
Was ist Multi-Cloud?
Wenn eine einzige Cloud gut funktioniert, kann eine Multi-Cloud-Umgebung für viele Einsatzgebiete von Vorteil sein. Multi-Cloud-Modelle entwickelten sich aus einer Idee, die um 2010 aufkam, als erste Unternehmen begannen, ihre Cloud-Umgebungen zu diversifizieren, um die angebotenen Dienste zu optimieren und Lieferantenabhängigkeit zu vermeiden.
Eine Multi-Cloud-Infrastruktur beinhaltet in der Regel mehrere Dienstleister, die zusammen Anwendungen betreiben, Daten speichern, Automatisierung fördern usw. Beispielsweise könnten Sie für kleine, latenzsensible Abläufe einen lokalen Netzwerkbetreiber nutzen. Zusätzlich können Sie großen, sicheren Speicherplatz von einem Anbieter mit modernsten Sicherheitswerkzeugen beziehen, während ein anderer Anbieter schnelle Verarbeitung und eine fortschrittliche SaaS-Software-Suite bereitstellt, die sonst nicht verfügbar wäre – für verbesserte Entwicklung und Cloud-Management über Ihre Teams hinweg.
Eine ordentliche Multi-Cloud-Orchestrierung weist einige zentrale Merkmale auf, darunter:
- Anbietervielfalt: Die strategische Auswahl verschiedener Cloud-Dienstleister eröffnet Unternehmen viele Möglichkeiten. Ein Anbieter wie Amazon Web Services (AWS) bietet zum Beispiel fortschrittliche Sicherheit und Disaster Recovery und ist ideal für die Speicherung hochsensibler Daten. Microsoft Azure hingegen bietet günstigere Bandbreite und ist gut für intensive Anwendungen wie öffentlich erreichbare Websites geeignet. Ein weiterer Anbieter wie die Google Cloud Platform könnte Abo-Optionen für spezialisierte Software-Tools bieten, die anderswo nicht verfügbar sind. In diesem Fall liegt es nahe, verschiedene Dienste zu kombinieren, bis Sie ein optimales Gleichgewicht zwischen konkurrierenden Anforderungen gefunden haben.
- Erweiterte Individualisierung: Durch das Schichten verschiedener Cloud-Lösungen können Sie Cloud-Ressourcen leichter an Ihre Bedürfnisse anpassen. Wenn Sie beispielsweise eine fortschrittliche KI betreiben, benötigen Sie enorme Rechenleistung und viel Speicher für Trainingsdaten. Ihre DevOps-Teams wählen ggf. einen Anbieter für die Echtzeitverarbeitung und einen anderen für die Speicherung der ML-Trainingsdaten.
- Risikominderung: Diversifizierung ist der Schlüssel für eine stabile IT-Landschaft. Angenommen, Ihr einziger Private-Cloud-Anbieter wird gehackt und zentrale Infrastruktur wird verschlüsselt. Ein Backup bei einem unabhängigen Anbieter erlaubt Ihnen, sicher weiterzuarbeiten, während Sie das Problem mit dem ersten Dienstleister lösen.
Was ist Hybrid Cloud?
Unternehmen, die für bestimmte Anwendungsfälle in die Cloud gehen, während sie einen Teil ihrer IT-Infrastruktur beibehalten, setzen auf eine Hybrid-Cloud-Strategie. Diese Cloud-Modelle entsprechen genau dieser Beschreibung: Ein Cloud-Ansatz ergänzt, ersetzt aber nicht vollständig die vorhandene On-Premises-Netzwerkinfrastruktur. Eine Hybrid-Cloud-Architektur kombiniert häufig lokale Netzwerkteile mit niedriger Latenz, einen großen Public-Cloud-Dienst für Entwicklungsoperationen und eine sichere Private-Cloud-Infrastruktur für den Austausch sensibler Daten mit eingeschränkten Berechtigungen.
Auch wenn dies meist eine Übergangslösung für Unternehmen auf dem Weg zur vollständigen Cloud-Nutzung ist, bietet die Hybrid Cloud eigene Vorteile. Einer davon ist die sehr geringe Latenz eines lokalen Netzwerks. Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit, Entwicklungen direkt mit dem lokalen Dev-Team vor Ort zu realisieren und anschließend alles in einer großen und effizienten Cloud-Speicherlösung wie AWS zu sichern.
Es gibt einen bestimmten Typ von Unternehmen, der besonders gern hybride Lösungen verwendet. In der Regel eignen sich Hybrid-Cloud-Modelle besonders für große Anbieter mit vielen Online-Diensten, die starken Nachfrageschwankungen unterliegen. Firmen wie Netflix, Hulu, Uber und Airbnb erleben genau solche Lastspitzen: Bei den ersten beiden wenn Zuschauer:innen durchbingen, bei den anderen, wenn das Reiseaufkommen schwankt. In jedem dieser Fälle ermöglicht die Flexibilität der Hybrid Cloud eine schnelle Skalierung – vom streng authentifizierten lokalen Netz hin zur deutlich leistungsfähigeren Cloud-Infrastruktur.
Vergleich von Multi-Cloud und Hybrid Cloud
Die Hybrid Cloud konzentriert sich auf die Orchestrierung privater und öffentlicher Clouds mit dem Ziel eines reibungslosen Betriebs über beide hinweg, während Multi-Cloud eine strategische Nutzung mehrerer Cloud-Anbieter zur Erfüllung verschiedener Anforderungen bedeutet.
Falls Sie sich dabei den Überblick bewahren möchten: Ein einfaches Merkmal zur Unterscheidung zwischen Multi-Cloud und Hybrid Cloud ist, dass das Multi-Modell zwei oder mehr Public-Cloud-Dienste nutzt, während die Hybrid Cloud öffentliche und private Dienste kombiniert. Im klassischen Modell behält der Nutzer die physische Kontrolle über mindestens einen Teil der Hybrid Cloud – das kann ein einzelner Server oder ein komplettes, vollausgestattetes privates Rechenzentrum sein.
Unterschiede in der Cloud-Architektur
Es gibt zahlreiche Variationen darin, wie diese Clouds konfiguriert werden können. Ein vollständig Multi-Cloud-basierter Ansatz erlaubt es Ihnen, unter den Anbietern frei zu wählen, da Ihre einzige Einschränkung die von den Providern angebotene Infrastruktur in professionellen Rechenzentren ist.
Der Hybrid-Ansatz kann in den Komponenten mit dem Multi-Modell identisch sein, enthält jedoch zusätzlich eine oder mehrere vom Kunden kontrollierte Maschinen. Beide Modelle bieten eine hohe Flexibilität und nahezu unbegrenztes Potenzial zur Erweiterung und Spezialisierung im Netzwerk.
Vor- und Nachteile
Vorteile der Multi-Cloud-Bereitstellung
- Durch den Verzicht auf eine private Architektur sinken die Start- und Erweiterungskosten erheblich.
- Die Skalierung der Cloud(s) ist mit einem einzigen Kontakt zwischen Kunde und Anbieter möglich.
- Unbegrenzter Zugriff auf SaaS-Angebote und kundenspezifische Programme ohne Investitionen seitens des Kunden.
Nachteile von Multi-Cloud
- Ohne private Architektur müssen alle Daten und Programme auf einem entfernten Cloud-Server gespeichert werden.
- Ein Ausfall des Dienstes oder eine unterbrochene Verbindung kann die Geschäftskontinuität beeinträchtigen.
Vorteile der Hybrid-Cloud-Bereitstellung
- Ein Teil der Daten auf einem privaten Netzwerk zu speichern, schafft ein relativ sicheres Backup, das aus der Ferne schwerer zugänglich ist.
- Änderungen an Netzwerkkonfigurationen können schnell vorgenommen werden, ohne mögliche Einschränkungen des Cloud-Anbieters.
Nachteile der Hybrid Cloud
- Hybrid-Cloud-Netzwerke erfordern, dass zumindest ein Teil der Hardware als privates Netzwerk betrieben und gewartet wird, was Kosten für ein internes IT- oder Entwicklerteam verursacht.
- Der private Server verfügt möglicherweise nicht über die vollständige oder aktuellste Version Ihrer Sicherheits-Software, was ihn für ausgeklügelte Hacking-Versuche anfälliger macht.
Zukünftige Trends und sich entwickelnde Technologien
Wie in allen anderen Technologiebereichen steht auch das Cloud Computing nie still. Während sich die Technologie zu schnell entwickelt, um die Zukunft genau vorherzusagen, gibt es einige Entwicklungen, die vielversprechend sind für die Richtung, in die sich das Cloud-Modell bewegt.
Neue Technologien im Bereich Cloud Computing
- Künstliche Intelligenz: Maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz benötigen viel Speicherplatz und schnelle Verarbeitung, um erfolgreiche Modelle zu entwickeln – ideal für Cloud-Infrastrukturen.
- Kubernetes: Kubernetes erleichtert das Ausrollen neuer Anwendungen in der Cloud, indem sie aus einer gemeinsamen Quelle betrieben werden. Das vereinfacht Entwicklung und Teilen über Plattformen hinweg.
- Edge Computing: Edge Computing bringt so viel Verarbeitung und Datenspeicherung wie möglich an die Quelle (oder den "Rand") der Daten, beschleunigt die Verarbeitung und spart Bandbreite.
- Blockchain: Stellen Sie sich Blockchain als eine Reihe von Boxen vor, in denen Sie Ihre Daten mit starker Verschlüsselung schützen. Ursprünglich für Kryptowährungen entwickelt, findet sie heute neue Einsatzgebiete zur Schaffung von Zero-Trust-Verträgen und Validierung von Daten.
- Internet der Dinge (IoT): Cloud-Anwendungen ermöglichen es Geräten, Informationen auszutauschen, um smarte Funktionen zu koordinieren und Teams, Geräte sowie Plattformen zu integrieren.
Vorbereitung auf mehr Skalierbarkeit und Flexibilität
Der große Fortschritt bei Multi-Cloud- und Hybrid-Cloud-Infrastrukturen liegt in der Fähigkeit dieser Netzwerke, nach Bedarf zu skalieren. Das eröffnet vollkommen neue Möglichkeiten, um neue Projekte flexibel zu starten und die Kosten zwischenzeitlich zu senken, wenn gerade keine Projekte laufen. Besonders gilt das für SaaS-Anwendungen, bei denen die Nutzung bedarfsgerecht erfolgen kann, z. B. ein Projektmanagement-Tool, das nur während eines Projektzyklus benötigt wird und zwischen den Projekten abbestellt wird.
Multi-Cloud vs. Hybrid Cloud
Cloud Computing hat seit seinem Durchbruch in den 1990er Jahren enorme Fortschritte gemacht. Heute haben sowohl Multi-Cloud- als auch Hybrid-Cloud-Systeme ihren festen Platz in Unternehmensnetzwerken. Es ist hilfreich zu wissen, welche Bereitstellungsmodelle sich für welche Anwendungen am besten eignen – auch wenn die Entwicklung immer weiter in Richtung größerer Vernetzung geht.
Es gibt unzählige Cloud-Ressourcen zum Weiterlesen, darunter Podcasts über Cloud Computing, Konferenzen und Kurse.
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