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Um Licht ins Dunkel der Feinheiten und Strategien effektiver IT-Optimierung zu bringen – eine entscheidende Voraussetzung für Unternehmen, die Effizienz steigern, Kosten senken und Innovationen vorantreiben wollen – spreche ich in unserer Q&A-Serie zur IT-Optimierung mit Branchenexpert:innen.

Heute habe ich mich mit Gareth Humphreys, Group CEO der Solution Performance Group, unterhalten. Das Gespräch liefert Einblicke, wie Organisationen ihre IT-Investitionen für optimale Leistung maximieren können. 

  1. Bitte erzählen Sie kurz etwas über sich.

Ich bin in der Nähe von Belfast aufgewachsen – eine Stadt, die viel spannender ist, als ich es in meiner Jugendzeit dachte. Ich fand die Schule schrecklich und konnte es kaum erwarten, sie zu verlassen, vor allem nachdem ich im ersten Jahr der Oberstufe einen schweren Autounfall überlebt habe (bei dem ich meine Mutter verlor und fast auch meinen Vater).

Das hat mich dazu gebracht, alles zu hinterfragen, wie die Welt funktioniert. Ich wollte immer Journalist werden, aber Medienwissenschaften am örtlichen College (für die Älteren: Polytechnikum!) reizten mich auch nicht, und ich brach nach sechs Monaten ab. Mit 16 hatte ich nicht bedacht, welche Folgen es haben könnte, arbeitslos und nicht vermittelbar zu sein, also landete ich beim Arbeitsamt. 

Nachdem ich ziellos zu Hause herumhing, schlug mein Vater – der es irgendwann leid war – vor, ich solle doch „irgendwas mit Computern“ machen, da ich meine ganze Kindheit schon vor einem saß (angefangen mit dem guten alten Sinclair ZX Spectrum). Deshalb machte ich City & Guilds IT an einem lokalen Ausbildungszentrum. Den Ein-Jahres-Kurs absolvierte ich in 16 Wochen. Sie stellten mich anschließend ein, um andere durch die Ausbildung zu begleiten.

Das war mein erster richtiger Job in der IT-Branche.

Zusammen mit meinen Mitgründern habe ich die Solution Performance Group (SPG) gegründet, um ein Ökosystem für digitale Transformation, Personalvermittlung und Software-Tochterunternehmen bereitzustellen. Mit Standorten in Newcastle und Leeds ist SPG sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor tätig. Zu den Kunden zählen Notfalldienste, Regierungsabteilungen und Sozialwohnungsorganisationen. 

2. Wie beurteilen Sie den aktuellen Zustand Ihrer IT-Infrastruktur? Welche Kennzahlen nutzen Sie, um deren Effizienz zu messen?

Mich fasziniert immer wieder die allgemeine Gleichgültigkeit gegenüber der Infrastruktur-Performance. Das liegt wahrscheinlich daran, dass jahrelang die immer weiter zunehmenden Schichten an Komplexität und Altsystemen es für Technologieteams/-abteilungen schwierig machten, genau zu verstehen, was eigentlich „unter der Haube“ passiert. Heutzutage haben wir jedoch Zugang zu so vielen Daten und Lösungen, dass es keine Ausrede mehr gibt.

Gerade wenn Ihr Unternehmen oder Ihre Organisation auf IT angewiesen ist, um Probleme der Kund:innen zu lösen – und das ist tatsächlich meist der Fall. 

Den Zustand der Infrastruktur beurteilen wir, indem wir mit Hilfe von forensischen Monitoring-Tools in Echtzeit einen Basis-Performance-Snapshot erfassen – von Nutzererfahrung/Reaktionszeit über Kapazität und Sicherheit bis hin zur Codeausführungsebene und allem dazwischen.

Kostenoptimierung ist eine weitere entscheidende Komponente der Effizienzformel, die sich durch die Messung von Nutzung im Verhältnis zu Ausgaben freisetzen lässt – eine Kennzahl, die bei CFOs beliebt ist.

3. Welche Sicherheitsmaßnahmen treffen Sie zum Schutz Ihrer IT-Infrastruktur bei gleichzeitiger Optimierung der Performance?

Es gibt viele Schichten, aus denen sich das Sicherheits- und Performance-Gebilde zusammensetzt. In seltenen Fällen schließen sich diese gegenseitig aus und erfordern Kompromisse (meist zu Lasten der Performance, da Sicherheit nun mal kritischer ist).

Für die meisten Unternehmen gilt jedoch: Es gibt einige essenzielle Zutaten, die man beachten sollte – darunter auch die, die wir hier umgesetzt haben: 

Das ist jedoch nicht alles – es ist ebenso wichtig, Daten im Ruhezustand, bei der Übertragung und wo möglich auch während der Verarbeitung zu verschlüsseln. Zudem sollten Daten sowohl vor Ort als auch an geographisch getrennten Standorten gesichert werden.

Wie zuvor erwähnt, ist es angesichts der heutigen Datenmengen entscheidend, Security-Information- and Event-Management-Systeme einzusetzen – zur Aggregation von Logdaten, zur Identifikation von Abweichungen vom Normalzustand sowie für Korrekturempfehlungen über Cloud Workload Protection Platforms.

4. Wie identifizieren Sie die Fähigkeiten und Kompetenzen, die Ihr IT-Team benötigt, um Ressourcen effektiv zu verwalten und zu optimieren?

Das ist schwierig, da das Fachwissen, das für eine ausführliche Diskussion dieser äußerst komplexen Themen erforderlich ist, eine ganz besondere Person verlangt. Die erste Kompetenz ist daher die Liebe zum Detail und ein beinahe manischer Antrieb, die eigentliche Ursache eines Problems zu finden. 

Es können so viele Daten gleichzeitig auf einen einprasseln, dass es essenziell ist, sie zu verarbeiten, ohne den Überblick zu verlieren – ebenso wichtig ist ein Sinn für Dringlichkeit, um stets auf Veränderungen reagieren und eine optimale Performance sicherstellen zu können.

Welche konkreten Fähigkeiten gefragt sind, hängt vom jeweiligen Umfeld ab, aber ein grundlegendes Verständnis darüber, wie die wichtigsten Cloud-Plattformen funktionieren, dimensioniert, konfiguriert und abgerechnet werden, ist ebenfalls bedeutend. Die Optimierung von Ressourcen ist eine eigene Disziplin – das ist heute längst kein reiner Helpdesk-Job mehr. 

5. Welche Strategien verfolgen Sie, um die berufliche Weiterentwicklung und das kontinuierliche Lernen innerhalb Ihres IT-Teams zu fördern?

Das war für mich ein Lernprozess, denn nicht jeder möchte fortlaufend dazulernen, wenn er seine Zeit auch anders nutzen könnte. Ich verstehe das, aber ich denke auch, dass man, wenn man sich weiterentwickeln und in etwas besser werden will, üben muss, um dorthin zu gelangen. 

Wir stellen für jeden ein fest eingeplantes Schulungsbudget bereit, das nur für diesen Zweck vorgesehen ist, doch das Problem ist, dass nicht jeder es nutzen möchte. Wir haben festgestellt, dass gesunder, respektvoller Wettbewerb helfen kann, ebenso wie Anreize, die an absolvierte Schulungen oder erworbene Zertifizierungen gekoppelt sind.

Allerdings braucht es im Team ein paar kontinuierlich Lernende, die den Ton, die Standards und die Erwartungen für alle anderen setzen – die Taktgeber, wenn man so will.

6. Können Sie Beispiele nennen, wie funktionsübergreifende Zusammenarbeit zur Ressourcenoptimierung in Ihrer IT-Abteilung beigetragen hat?

Anfang dieses Jahres haben wir eine ganz neue Softwareentwicklungs-Abteilung gegründet, indem wir ein Team aus einer anderen Organisation ins Unternehmen (SPG) geholt haben. Ursprünglich wollten wir, dass das neue Team weiterhin erstklassige Software für unsere Kunden liefert.

Im Verlauf des Jahres zeigte sich jedoch, dass die neuen Teammitglieder und unsere bisherigen Kollegen aus dem Infrastruktur-Engineering immer häufiger ganz selbstverständlich zusammenarbeiteten. Nachdem ich einige der komplexen Probleme beobachtet habe, die sie gemeinsam gelöst haben, bin ich mehr denn je davon überzeugt, dass sich diese funktionsübergreifende Zusammenarbeit für alle auszahlt: die einzelnen Mitarbeitenden, die Teams und natürlich für unsere Kunden.

Dank der sich ergänzenden Kompetenzen unserer Teams waren wir in der Lage, neue Herausforderungen direkt anzugehen und die Lösungsfindung enorm zu beschleunigen – das führte zu massiven Effizienzsteigerungen von Anfang bis Ende. Diese Arbeitsweise kann ich jedem nur empfehlen.

7. Wie stellen Sie sicher, dass Ihre IT-Prozesse mit den Unternehmenszielen in Einklang stehen und zur Gesamt-Effizienz der Organisation beitragen?

Hier zeigt sich der wahre Wert von Architektur. Man benötigt Enterprise-Architektur und Lösungsarchitektur als Kern der operativen beziehungsweise IT-Funktionen, die im Gleichklang mit dem Unternehmen und miteinander arbeiten. Wenn man die übergeordnete Unternehmensstrategie, die Ziele und KPIs nimmt und sicherstellt, dass die Geschäftsprozesse sowie die zugrundeliegende Technologie darauf abgestimmt sind, dann erhöht das die Chancen massiv, Optimierungspotenziale und Effizienzgewinne frühzeitig zu erkennen. 

Das klingt nach – und ist auch – einer riesigen Aufgabe, die nur durch jahrelange Übung und harte Arbeit erreicht werden kann, aber so arbeiten die erfolgreichsten Unternehmen. Man muss aber nicht gleich am ersten Tag alles perfekt machen: klein anfangen, oft iterieren, regelmäßig validieren und ein klares Ziel verfolgen. Ach, und die Ausgangslage sollte man kennen. 

8. Was sind Ihre wichtigsten Tipps, um IT-Ressourcen durch Infrastruktur, Menschen und Prozesse zu optimieren?

  • Sichtbarkeit – Sie können nur das optimieren, was Sie sehen. Daher müssen Sie genau verstehen, was unter der Haube passiert, was in der Cloud-Umgebung geschieht und wie die Prozesse von Anfang bis Ende ablaufen. Andernfalls können Sie Ineffizienzen nicht beheben. Geschlossene Automatisierungsschleifen sind ebenfalls entscheidend! Lassen Sie das System die Kontrolle übernehmen, legen Sie die Parameter und das gewünschte Ergebnis fest und überlassen Sie dem System die Arbeit. Das ist schließlich der Sinn von Automatisierung! Seien Sie vorsichtig, nicht zu viel Zeit mit dem Anpassen der Parameter zu verbringen, da dies den Prozess nur verlängert. Ermöglichen Sie dem System, das zu tun, wofür es vorgesehen ist, und automatisieren Sie so viel wie möglich.
  • Verkürzen Sie Ihre Feedback-Schleifen – Prüfen Sie, ob und wo ein Prozess ins Stocken gerät. Stoppen Sie dann, nehmen Sie die Änderung vor, führen Sie den Prozess erneut aus und verfeinern Sie ihn schrittweise weiter. Achtung auch vor Feature-Bloat: Oft benötigen Sie nur einen Bruchteil der verfügbaren Funktionen. Reduzieren Sie es auf die wirklich benötigten Kernfunktionen und kaufen Sie nur die Lösung, die wirklich passt. Alle zusätzlichen Funktionen bedeuten Implementierung, Anpassung, Schulung der Mitarbeitenden – und letztendlich Kosten, Aufwand und Zeit für meist geringen Mehrwert.
  • DevOps, SecOps, DevSecOps, FinOps… letztendlich ist alles CloudOps – Hören Sie auf, Silos aus hochspezialisierten Teams zu schaffen, die jeweils nur eine Sache tun, besonders wenn Ihr Unternehmen eher überschaubar ist. Bilden Sie stattdessen ein Team, in dem alle Mitglieder verschiedene Kompetenzen abdecken und entsprechend geschult werden. Das ist der beste Weg, den Personalaspekt jeder Technologieabteilung zu optimieren.

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