Laut WHO leben weltweit mehr als eine Milliarde Menschen mit einer Form von Behinderung. Das entspricht etwa 15 % der gesamten Weltbevölkerung!
Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass wir sicherstellen müssen, dass unsere Webanwendungen niemanden von der Nutzung ausschließen. Das bedeutet, dass wir bei Design und Tests auch einen besonderen Fokus auf Barrierefreiheit legen sollten.
Vielleicht hast du ein bestimmtes Bild im Kopf, wenn du an Behinderungen denkst. Tatsächlich können sie jedoch viele verschiedene Formen annehmen, beispielsweise:
- Permanente (wie eine Sehbehinderung)
- Vorübergehende (wie eine Ohrinfektion)
- Situative (wie ein Elternteil, der ein Baby hält)

Diese Beeinträchtigungen können die Art und Weise, wie Menschen mit den Funktionen von Anwendungen interagieren, einschränken. Barrierefreiheitstests im Web überprüfen daher, ob die Anwendung für diese unterschiedlichen Arten von Beeinträchtigungen zugänglich ist.
Was ist ein Barrierefreiheitstest für das Web?
Barrierefreiheit, manchmal auch als a11y bezeichnet, beschreibt die Praxis, Werkzeuge, Websites und Webinhalte so zu gestalten, dass sie von allen Menschen genutzt werden können – unabhängig von Einschränkungen, Behinderungen oder Beeinträchtigungen. Dabei gilt: Baue Barrierefreiheitstests als festen Bestandteil deiner Teststrategie ein und verschiebe sie nicht ans Ende.
Barrierefreiheitstests sind eine Form von Usability-Tests. Durch die Durchführung von Barrierefreiheitstests stellen Tester sicher, dass alle Nutzer – einschließlich Menschen mit Behinderungen wie Blindheit, Hör- oder kognitiven Einschränkungen – Websites und Webanwendungen nutzen können. Dies stellt die Zugänglichkeit der Inhalte sicher, auch ohne die üblichen Interaktionen wie Maus, Tastatur, Touchpad und ähnliche Methoden.
Welche Aspekte der Barrierefreiheit werden durch Web-Barrierefreiheitstests überprüft?
Bei der Überprüfung der Barrierefreiheit einer Website ist es sinnvoll, sich an den Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) zu orientieren. Die WCAG definieren drei Stufen der Barrierefreiheit:
- A: für grundlegende Web-Barrierefreiheit;
- AA: der globale Standard für Barrierefreiheit – derzeit eine gesetzliche Anforderung in den USA und EU-Ländern.
- AAA: die strengste Stufe – findet meist bei speziellen Anwendungen Anwendung.
Außerdem gibt es laut WCAG vier Grundprinzipien der Barrierefreiheit, die du dir mit dem Akronym POUR merken kannst. Sie lauten:
- Wahrnehmbar: Nutzerinnen und Nutzer der Website müssen die Inhalte und Informationen wahrnehmen können. Das erfolgt meist visuell, aber für Sehbehinderte etwa auch über Screenreader-Software.
- Bedienbar: Nutzer müssen mit den Elementen der Website interagieren und einfach navigieren können.
- Verständlich: Die Inhalte – egal ob grafisch oder schriftlich – sollten leicht verständlich sein.
- Robust: Die Webanwendung sollte zuverlässig auf unterschiedlichen Geräten und auch mit unterstützender Technologie funktionieren.
Warum sind Web-Barrierefreiheitstests wichtig?
Warum also ist es wichtig, auf Barrierefreiheit zu testen?
Für mich ist der wichtigste Grund Inklusivität. Wer eine Website oder Webanwendung barrierefrei gestaltet, sorgt dafür, dass niemand von Inhalten oder Funktionen ausgeschlossen wird. Das bedeutet eine bessere Nutzererfahrung für alle potenziellen Kundinnen und Kunden.
Das kann sich gleichzeitig auch in höheren Umsätzen niederschlagen – laut einer Click-Away Pound Umfrage würden 82 % der Nutzer*innen mit besonderen Zugangsbedürfnissen mehr Geld auf Websites ausgeben, wenn diese barrierefreier wären.
Nicht zuletzt ist es auch entscheidend, auf Barrierefreiheit zu testen, um die gesetzlichen Vorgaben zur Web-Barrierefreiheit zu erfüllen.
Wie testet man Barrierefreiheit im Web?
Kommen wir zum eigentlichen Testen: Eine der bewährten Methoden ist es, bereits früh im Entwicklungsprozess mit Barrierefreiheitstests zu beginnen. Auf diese Weise lassen sich gefundene Barrierefreiheitsprobleme oft leichter beheben. Wird erst am Ende getestet, bedeutet das häufig viel Nacharbeit. Das Testen selbst kann manuell oder mit Tools für Web-Barrierefreiheitstests erfolgen.
Checkliste für Barrierefreiheit von Websites
Im Folgenden sind einige wichtige Punkte aufgeführt, die bei der Bewertung der Barrierefreiheit von Websites zu beachten sind. Diese können durch manuelles Testen oder automatisiertes Testen überprüft werden:
- Tastaturzugänglichkeit: Kann man Ihre Website bedienen, ohne die Maus zu verwenden? Das bedeutet, dass jeder Link, jede Schaltfläche und jedes Eingabefeld mit den Tasten Tab, Pfeiltasten, Leertaste und Enter erreichbar sein muss. Tastaturbedienbare Websites sind leicht von Hilfsgeräten wie Screenreadern, Sprachsteuerung oder Schaltern erfassbar.
- Navigationsstruktur: Testen Sie dies, indem Sie die Tab-Taste oder die Tastenkombination Shift+Tab benutzen. Die Navigation sollte logisch aufgebaut sein; die Reihenfolge muss der Darstellung der Menüs und interaktiven Elemente entsprechen, und die Menüs sollten auch beim Seitenwechsel an derselben Stelle bleiben.
- Kompatibilität mit Screenreadern: Ist der Inhalt der Website mit einem Screenreader zugänglich? Und falls ja, stimmt die Reihenfolge?
- Untertitel und Transkripte für Videos und Podcasts: Sie sind notwendig, damit Menschen mit Hörproblemen verstehen können, was gesagt wird. Sie sind auch in temporären Situationen nützlich, zum Beispiel in lauter Umgebung, wenn der Ton schwer zu verfolgen ist.
- Zoom-/Vergrößerungsfunktion: Menschen mit Sehbeeinträchtigung müssen in der Lage sein, sich auf der Seite zu orientieren und mit Inhalten zu interagieren. Sie können die integrierte Zoom-Funktion des Browsers verwenden (mit Ctrl+ auf Windows oder Cmd+ auf Mac), um zu überprüfen, ob die Seitenelemente gut dargestellt bleiben, leicht lesbar und bedienbar sind.
- Farbsensitivität: Einige Nutzer:innen sind empfindlich gegenüber Farben, daher ist es wichtig, dass die Kontraste auf Webseiten nicht zu hoch sind. Gleichzeitig muss aber ein zu geringer Kontrast vermieden werden, da dies das Erkennen von Elementen für sehbeeinträchtigte Menschen erschweren kann. Die WCAG bietet hierzu spezielle Kontrast-Richtlinien an.
- Navigation überspringen: Stellen Sie sicher, dass die Seite eine „Hauptinhalt überspringen“ oder „Zum Inhalt springen“-Funktion hat. Damit können Tastaturbenutzer:innen direkt zum Hauptinhalt springen, ohne alle Menüs, Buttons und Felder durchgehen zu müssen.
- Alt-Texte: Alle nicht-textuellen Inhalte sollten Alternativtexte besitzen, damit Screenreader die Bilder vorlesen können.
- Blinkende oder flackernde Elemente: Blinkende bzw. flackernde Elemente können bei Menschen mit Epilepsie oder anderen Erkrankungen Anfälle auslösen. Sie sind ohnehin für Websites nicht empfehlenswert – falls sie dennoch verwendet werden, überprüfen Sie, dass das Flackern nicht zu intensiv ist.
Wie verbessern Lasttests die Barrierefreiheit?
Lasttests sind ein wichtiges Instrument im Bereich des Testens auf Barrierefreiheit. Sie ermöglichen es Entwicklern und Testern zu überprüfen, wie eine Website unter unterschiedlichen Belastungen und Benutzerzahlen funktioniert. Durch das Simulieren einer hohen Anzahl an Nutzer:innen, die gleichzeitig auf die Website zugreifen, können Lasttests Leistungsengpässe oder Probleme identifizieren, die die Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderung beeinträchtigen könnten.
Eines der Hauptziele von Barrierefreiheitstests ist sicherzustellen, dass alle Nutzer:innen – unabhängig von ihren Fähigkeiten – eine Website effektiv nutzen und bedienen können. Lasttests spielen dabei eine entscheidende Rolle, indem sie messen, wie gut eine Website unter hoher Belastung arbeitet. Durch das Erzeugen vieler gleichzeitiger Nutzer:innen können Lasttests potenzielle Schwierigkeiten aufdecken, die auftreten, wenn mehrere Menschen mit Behinderung gleichzeitig auf die Seite zugreifen.
Lasttests helfen dabei, Leistungsprobleme zu erkennen, die die Barrierefreiheit beeinflussen können. Wenn etwa eine Website zu langsam lädt oder bei höherer Nutzerzahl nicht mehr reagiert, beeinträchtigt das besonders Menschen mit Behinderung, die auf Hilfstechnologien angewiesen sind. Lasttest-Tools helfen gezielt, solche Engpässe zu identifizieren, damit Entwickler:innen die Seite optimieren und auch unter hoher Belastung barrierefrei halten können.
Tools zum Testen der Barrierefreiheit
Glücklicherweise gibt es viele Online-Tools, die dabei helfen, Barrierefreiheitsprobleme auf Websites aufzudecken und deren Einhaltung der WCAG-Standards zu prüfen.
Einige Tools können als Browser-Erweiterungen installiert werden und ermöglichen einfache Prüfungen auf Barrierefreiheitsfehler, während andere Tools helfen, einen automatisierten Testprozess für Barrierefreiheit einzurichten. Nachfolgend nenne ich einige besonders bewährte Tools.
- Axe DevTools: Axe lässt sich im Browser installieren und ist als Tab in den Entwicklertools verfügbar. Es liefert Erkenntnisse zu Barriereverstößen wie fehlende Alt-Texte oder Farbkontraste.

- Wave: Wave ist ein Tool zur Bewertung der Barrierefreiheit von Websites und sowohl online als auch als Browser-Erweiterung verfügbar. Es liefert ähnliche Informationen wie Axe.
- AccessiBe: AccessiBe kann verwendet werden, um die Einhaltung der ADA-Anforderungen automatisch zu überprüfen. Es ist zudem mit anderen Tools wie Jira und AWS integriert.
- Google Lighthouse: Lighthouse bietet verschiedene Prüfungen an, die zahlreiche WCAG-Standards abdecken. Auf dieser Basis bewertet es die Barrierefreiheit Ihrer Website und gibt Empfehlungen, wie Verbesserungen umgesetzt werden können.
Das Fazit
Barrierefreiheitstests untersuchen, wie einfach es ist, Websites zu navigieren, zu nutzen und zu verstehen. Von Barrierefreiheit profitieren alle, einschließlich älterer Menschen, Kinder, Linkshänder und Menschen in temporären Situationen, in denen eine oder mehrere ihrer Sinne beeinträchtigt sind.
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