Im Moment ist Jira wahrscheinlich das meistgenutzte Tool für die Softwareprojektverwaltung, besonders in Teams, die mit agilen Frameworks wie Scrum oder Kanban arbeiten. Aber wussten Sie, dass Sie Jira auch für das Testfallmanagement einsetzen können?
Dafür gibt es zwei Wege. Der erste besteht darin, die Tests direkt in Jira zu schreiben, indem Sie einen neuen Vorgangstyp für Testfälle anlegen. Der zweite ist die Nutzung eines in Jira integrierten Testfallmanagement-Tools.
Natürlich haben beide Methoden ihre eigenen Vor- und Nachteile. Lassen Sie uns diese etwas besprechen, und auf deren Grundlage können Sie entscheiden, was für Sie, Ihr Team und Ihre Testaktivitäten am besten funktioniert.
Die Vor- & Nachteile der Nutzung von Jira für das Testfallmanagement
Beginnen wir mit der Nutzung von Jira als eigenständige Anwendung. Und bevor wir das tun, möchte ich nur erwähnen, dass Jira nicht als Testtool konzipiert wurde, sondern als Tool für das Vorgangsmanagement.
Jira Testfallmanagement – Vorteile
- Wenn Sie Jira bereits als Vorgangs- oder Projektmanagement-Tool verwenden, bedeutet die Nutzung zum Entwerfen von Testfällen, dass Sie kein weiteres Tool zu Ihrer Testumgebung hinzufügen müssen.
- Die Einarbeitung ist einfach, falls Ihr Team Jira bereits kennt.
- Das Verknüpfen von Tests mit User Stories, Fehlern oder anderen Vorgangstypen in Jira ist sehr unkompliziert, da diese Funktionalität bereits existiert.
- Es bietet eine gewisse Anpassbarkeit, genau wie bei allen Vorgangstypen in Jira.
Jira Testfallmanagement – Nachteile
- Da es nicht für das Testen ausgelegt ist, bietet Jira keine echte Ausführungsfunktionalität.
- Es gibt keine Integration mit Automatisierungstools zur automatischen Aktualisierung der Testergebnisse.
- Die Testberichterstattung ist eingeschränkt – die meisten spezialisierten Testmanagement-Tools bieten bessere Berichte für die Testausführung.
Wenn es um den Einsatz anderer Tools geht, variieren die Vor- und Nachteile je nach ausgewähltem Tool. Wir konzentrieren uns jedoch auf die Gemeinsamkeiten der meisten dieser Tools.
Verwendung integrierter Testmanagement-Tools – Vorteile
- Speziell für das Testmanagement entwickelte Tools bieten bessere Testergebnisse und Metriken.
- Die Tests können in mehreren Testplänen wiederverwendet werden und in mehrere Testläufe und Ausführungen eingehen.
- Einige Tools bieten Integrationen mit Testautomatisierungswerkzeugen, sodass die Testergebnisse nach jedem automatisierten Durchlauf aktualisiert werden.
Verwendung integrierter Testmanagement-Tools – Nachteile
- Diese Tools sind meist kommerziell und verursachen somit zusätzliche Kosten.
- Das Team muss sich mit dem Tool vertraut machen, bevor es effizient eingesetzt werden kann.
So erstellen Sie Tests in Jira
Bevor Sie Testfälle in Jira schreiben, müssen Sie einen neuen Vorgangstyp anlegen. Sie können ihn Test oder Testfall nennen, das bleibt Ihnen überlassen. Wichtig ist nur, dass das gesamte Team Bescheid weiß und ihn richtig verwendet.
Zur Veranschaulichung nutze ich eine Kanban-Projektvorlage in Jira. Sie benötigen Administratorrechte im Projekt, um einen neuen Vorgangstyp in Jira anzulegen – das ist nur einmal erforderlich. Neue Vorgangstypen können in Jira eigenständig oder als Teilaufgaben angelegt werden. Schauen wir uns beide Möglichkeiten an.
Standard-Vorgangstyp
Um einen neuen Vorgangstyp in Jira zu erstellen, gehen Sie zu den Einstellungen und navigieren Sie zu Vorgangstypen. Dort haben Sie die Möglichkeit, einen neuen Typ zu erstellen. Ich habe meinen neuen Typ „Testfall“ genannt:

Danach müssen Sie ihn dem Projekt hinzufügen. Alternativ können Sie den neuen Typ auch direkt im Projekt anlegen, sofern Sie ihn nicht in mehreren Projekten verwenden möchten.
In den Projekteinstellungen können Sie auch neue Status hinzufügen. Ich habe Bestanden und Fehlgeschlagen hinzugefügt:

Im Menü „Vorgangsfeatures“ – „Vorgangsverknüpfung“ können Sie außerdem eine neue Möglichkeit hinzufügen, um anzuzeigen, wie die Elemente miteinander verknüpft sind. Ich habe eine neue Art der Verknüpfung für Tests hinzugefügt, weil ich möchte, dass meine Testfälle mit den User Stories oder Bugs verknüpft sind, die sie testen:

Nachdem der Typ erstellt wurde, können Sie ihn im Fenster „Neues Ticket“ auswählen:

Jira ist ein sehr anpassbares Tool, mit dem Sie spezifische Status für die Vorgangstypen definieren können. Für Testzwecke können Sie Status hinzufügen, die den Testergebnissen entsprechen, wie Bestanden, Fehlgeschlagen und Blockiert.
Die Vorteile dieser Vorgehensweise sind:
- Testfälle können mit mehreren User Stories/Bugs/Vorgängen in Jira verknüpft werden, sodass bestehende Testfälle wiederverwendet werden können.
- Das Erstellen von Testfällen ist einfach – die Testfälle sind wie jeder andere Jira-Vorgang.
Es gibt jedoch auch einige Nachteile:
- Nach der Testausführung ändert sich der Status des Tests und der vorherige Status wird nicht mehr verfolgt.
- Testschritte haben keine eigenen Felder, sodass Sie keine Ergebnisse für einzelne Testschritte hinzufügen können.
- Sie können keine Testsuite oder einen Testplan für die Testausführung erstellen.
Vorgangstyp Unteraufgabe
Unteraufgaben in Jira werden auf die gleiche Weise erstellt, aber der Unterschied besteht darin, dass Unteraufgaben als untergeordnete Elemente anderer bestehender Vorgänge angelegt werden. Setzen Sie diese Vorgehensweise für Testfälle ein, werden die Tests unter der User Story oder der Aufgabe angelegt, die getestet wird. Dieser Ansatz eignet sich, wenn die Testfälle nur einmal ausgeführt werden sollen.
Vorteile der Verwendung von Tests als Unteraufgaben:
- Die Tests werden direkt in Bezug auf das erstellt, was getestet wird.
Nachteile dieses Ansatzes sind unter anderem:
- Die Testfälle können nicht wiederverwendet werden.
- Alle Nachteile des obigen Ansatzes gelten hier ebenso.
Beide Ansätze sind besser für manuelle Tests geeignet, denn für automatisierte Tests wäre eine Integration zwischen den Tools notwendig, was Jira von Haus aus nicht bietet.
Tools zur Unterstützung des Jira-Testfallmanagements
Ein anderer Ansatz besteht darin, ein Testmanagement-Tool zu verwenden, das sich in Jira integrieren lässt. Diese Tools sind speziell für das Testfallmanagement entwickelt und bieten in der Regel viele Funktionen, die im Testprozess helfen, wie z. B.:
- Nachvollziehbarkeit
- Berichterstattung
- Tool-Integration – und damit meine ich nicht nur die Integration mit Jira, sondern auch mit Testautomatisierungstools, Kommunikationstools (wie Slack, Microsoft Teams usw.), E-Mail und vieles mehr.
Es gibt mehrere Jira-Testmanagement-Tools auf dem Markt, darunter Zephyr Squad, TestRail, XRay – die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.
Best Practices für das Schreiben von Testfällen
Unabhängig davon, ob Sie Jira oder ein anderes Testmanagement-Tool verwenden, ist es sinnvoll, beim Schreiben von Testfällen bestimmte Richtlinien zu beachten.
- Bevor Sie mit der Erstellung beginnen, ist es wichtig, die Anforderungen zu identifizieren, die getestet werden sollen – sowohl funktionale als auch nicht-funktionale.
- Entscheiden Sie anschließend, welche Testtechniken für die jeweiligen Anforderungen anwendbar sind. Für Black-Box-Tests sind die gängigsten Techniken:
- Grenzwertanalyse
- Äquivalenzklassenbildung
- Entscheidungstabellen
- Zustandsübergang
- Paarweises Testen
- Berücksichtigen Sie auch exploratives Testen, selbst wenn diese Testart normalerweise nicht gescriptet wird und keine expliziten Testfälle dafür erstellt werden.
- Achten Sie beim Inhalt der Testfälle darauf, dass die Beschreibung klar und prägnant ist – es sollte leicht verständlich sein, was der Zweck des Testfalls ist.
- Die Testschritte sollten einfach nachvollziehbar sein; formulieren Sie sie so, dass auch Personen, die mit der Anwendung oder der Funktionalität nicht vertraut sind, diese problemlos nachvollziehen können.
- Versuchen Sie, nicht zu viele Dinge auf einmal zu testen – idealerweise sollte sich jeder Testfall auf ein ganz bestimmtes Verhalten der Anwendung konzentrieren und nicht mehrere Funktionen gleichzeitig abdecken.
- Formulieren Sie die erwarteten Ergebnisse eindeutig – lassen Sie keine Unsicherheit darüber, was das korrekte Verhalten ist.
- Beziehen Sie sowohl positive als auch negative Szenarien in Ihre Testfälle ein.
- Pflegen Sie die Testfälle – wenn sich eine Funktionalität ändert, stellen Sie sicher, dass die dazugehörigen Testfälle diese Änderungen widerspiegeln.
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Fazit
Jira kann ein sehr nützliches Werkzeug im Softwareentwicklungsprozess sein. Auch wenn es kein spezielles Testmanagement-Tool ist, kann es dennoch in dieser Hinsicht unterstützen – entweder eigenständig, wie oben beschrieben, oder durch Integrationen mit anderen Tools.
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