CTOs erkennen, dass Einfachheit entscheidend ist, um die Komplexität von Infrastrukturen zu bewältigen und die Produktivität mit Kubernetes zu steigern.
Moderne Technologie-Führungskräfte setzen auf deklarative Systeme, um vorhersehbare und zuverlässige cloud-native Infrastrukturen aufzubauen.
Die Entscheidung zwischen Managed Services und selbstgebauten Plattformen erfordert das Ausbalancieren von Kostenkontrolle und operativer Flexibilität.
Beim Aufbau von Platform-Teams sollte der Fokus auf einer Lernkultur und Partnerschaften liegen, statt auf exklusiver Kubernetes-Expertise.
CTOs wechseln zu Kubernetes-spezifischen Distributionen, um die Sicherheit durch Reduzierung der Angriffsfläche und Verbesserung der Kontrollmechanismen zu erhöhen.
Für viele CTOs war Kubernetes zunächst ein Ehrenabzeichen – ein Beweis dafür, dass das Engineering-Team bereit ist, sich die Hände schmutzig zu machen und „es selbst besser zu bauen“. Doch irgendwo zwischen DIY-Stolz und Chaos im Produktivbetrieb holte die Realität sie ein. Die Komplexität schlich sich ein. Die Produktivität sank. Und das Versprechen von Agilität begann zu verblassen.
Andrew Rynhard, Gründer und CTO von Sidero Labs, hat diesen Ablauf schon unzählige Male erlebt. Nachdem er Talos Linux und Omni entwickelt hat, um Kubernetes von Ballast zu befreien und wieder Vorhersehbarkeit in die Infrastruktur zurückzubringen, beobachtet er jetzt, wie eine neue Welle von CTOs dieselbe Erkenntnis gewinnt wie er: Einfachheit ist eine Strategie.
In diesem Gespräch erläutert Andrew, wie moderne Technologieverantwortliche Kontrolle mit Effizienz in Einklang bringen, warum der „not invented here“-Ansatz die Entwicklerproduktivität sabotiert und wie deklarative Systeme das Verständnis von Zuverlässigkeit im Cloud-Native-Zeitalter neu definieren.
- Wie managen CTOs die Spannung zwischen Infrastrukturkomplexität und Entwicklerproduktivität, wenn sie Kubernetes einführen? Welche Muster zeichnen sich bei jenen ab, die diese Balance erfolgreich meistern?
Wenn viele CTOs erstmals mit Kubernetes arbeiten, denken sie oft: „Hey, wir können das selbst aufsetzen!“ Es ist eine komplette DIY-Mentalität, die, ehrlich gesagt, stark vom „not invented here“-Syndrom geprägt ist.
Viele Teams glauben, sie könnten es selbst besser machen, anstatt einen fremden Ansatz zu übernehmen (selbst wenn sie dadurch in der Komplexität untergehen). Doch schon bald kämpft das Team mehr mit der Infrastruktur als dass es das Unternehmen vorantreibt.
Deshalb beobachte ich einen Wandel in der Kubernetes-Strategie unter CTOs, der auf drei zentrale Punkte hinausläuft. Erstens: Ziel ist es, unnötigen Ballast schon an der Basis zu eliminieren. Anstatt an generischen One-Size-Fits-All-Lösungen festzuhalten, setzen CTOs auf spezialisierte, maßgeschneiderte Tools, die für Cloud-Native-Umgebungen entwickelt wurden. Es geht nicht darum, das Rad neu zu erfinden – sondern diese Reibungspunkte zu beseitigen, die alles ausbremsen.
Als Nächstes setzen CTOs zunehmend auf deklarative Prinzipien im gesamten Stack (nicht nur bei Kubernetes). Für mich als CTO ist dies eine sehr persönliche Sache. Ich habe Talos Linux und Omni gebaut, weil ich die überformalen, unflexiblen Systeme satt hatte. Mit einem deklarativen Ansatz behandelt man die Infrastruktur wie Code, alles wird vorhersehbar und unkompliziert – und das ist die Art von System, auf die man sich verlassen kann.
Ich habe auch beobachtet, dass die klügsten CTOs ehrlich damit umgehen, wo ihre Teams ihre Zeit investieren sollten. Anstatt die besten Entwickler mit jedem Detail der Infrastruktur zu beschäftigen, warum nicht auf maßgeschneiderte Tools setzen, die die Schwerstarbeit übernehmen? Auf diese Weise kann sich das Team auf das Wesentliche konzentrieren – und das Unternehmen nach vorne bringen.
Am Ende des Tages geht es darum, all die überflüssige Komplexität zu entfernen. Genau das war mein Ansatz für unser Unternehmen – die lästigen Details zu übernehmen, damit Sie sich auf die kreativen, wirkungsvollen technischen Aufgaben konzentrieren können, die Ihr Geschäft voranbringen.
- Viele CTOs überlegen, ob sie interne Plattformen auf Kubernetes aufbauen oder gemanagte Services nutzen sollen. Welche Schlüsselfaktoren sollten CTOs beziehungsweise Technologieführende bei der strategischen Entscheidung für eine SaaS-Infrastruktur berücksichtigen?
Die Entscheidung, ob man eine eigene Kubernetes-Plattform aufbaut oder auf gemanagte Services setzt, hängt vor allem von Kostenplanbarkeit, Kontrolle und technischer Freiheit ab.
Gemessene Services sind ein verlockender Schnellstart, bringen aber oft versteckte Kosten mit sich, die erst beim Skalieren zum Tragen kommen. Ich habe zu viele Unternehmen gesehen, die davon überrascht wurden. Die eigene Plattform – besonders auf Bare Metal – bietet verlässlichere, langfristige Kostenkontrolle. Während gemanagte Services zwar einen schnellen Einstieg ermöglichen, können sie einen auch in ein starres Konstrukt zwingen.
Wer individuelle Workloads optimieren oder Sicherheit nach eigenen Maßstäben gewährleisten will, für den kann diese Starrheit zum Problem werden. Der Schlüssel ist, pragmatisch zu starten und dann schrittweise die nötige Expertise und Infrastruktur für mehr Kontrolle dort aufzubauen, wo es wirklich darauf ankommt.
- Mit dem Aufkommen von Edge Computing und verteilten Systemen: Welche Herausforderungen beobachten Sie, wenn Organisationen versuchen, ihre Kubernetes-Deployments über mehrere Umgebungen hinweg zu skalieren? Wie gehen erfolgreiche CTOs und ihre Teams an Observability und das Management heran?
Edge Computing und verteilte Systeme bringen eine ganz neue Reihe von Herausforderungen mit sich. Das größte Problem ist die Konsistenz. Wenn man Deployments über Public Cloud, Bare Metal und Edge-Standorte verteilt, kann der Einsatz verschiedenster Tools und Prozesse schnell ins Chaos führen – und sogar Sicherheitslücken aufreißen. Remote-Zugriff und Troubleshooting werden am Edge besonders knifflig, und zukunftsorientierte CTOs setzen daher auf Lösungen, die Zugriff und starke Observability vereinen.
Und fangen wir erst gar nicht mit Storage an – dafür zu sorgen, dass Daten überall verfügbar und am richtigen Ort sind, ist eine echte Herausforderung. Standardisierung ist hier der Schlüssel zum Erfolg. Mit einheitlichen Management-Plattformen, die Deployments automatisieren und konsistentes Monitoring über alle Umgebungen hinweg bieten, lassen sich Komplexität reduzieren und reibungslose Abläufe sichern.
- Viele Unternehmen kämpfen mit den spezialisierten Fähigkeiten, die für den Kubernetes-Betrieb notwendig sind. Wie sollten CTOs beim Aufbau und der Strukturierung ihrer Plattform-Teams vorgehen? Welche Muster beobachten Sie bei erfolgreichen Unternehmen?
Wahre Kubernetes-Expert:innen einzustellen, fühlt sich oft an wie die Suche nach dem Einhorn. Der klügere und praktischere Ansatz ist es, ein Team mit echter Lernbereitschaft und Freude an der Problemlösung aufzubauen. Statt sich auf glänzende Zertifikate zu fixieren, sollte man auf Menschen setzen, die mit der Technologie wachsen können. Kombiniert man das mit strategischen Partnerschaften – also anfangs erfahrene Plattform-Anbieter hinzuziehen und gezielten Wissenstransfer ermöglichen – hat man das Erfolgsrezept.
Klein anfangen, schnell lernen und das interne Know-how langfristig ausbauen. Es kommt nicht darauf an, schon am ersten Tag alle Antworten zu haben, sondern ein Team zu entwickeln, das sich anpasst und erfolgreich bleibt.
- Mit wachsendem Kubernetes-Einsatz werden die Kosten schwerer zu überblicken. Welche Strategien verfolgen CTOs, um die operative Effizienz trotz schnellem Wachstum zu sichern?
Mit dem Ausbau der Kubernetes-Landschaft hängt effektives Kostenmanagement von Vorhersehbarkeit und Effizienz ab. Aktuell beobachten wir eine Rückbesinnung auf On-Premises- und hybride Ansätze, da immer mehr Unternehmen die versteckten Kosten reiner Cloud-Setups entdecken – etwa Egress-Gebühren und allerlei Servicepauschalen.
Statt sich blind auf die Public Cloud zu verlassen, ist es clever, die Platzierung der Workloads strategisch anzugehen. Viele Unternehmen entdecken den Wert von Bare-Metal wieder – gerade bei stabilen, gut prognostizierbaren Workloads, bei denen sich Kosten fixieren und böse Überraschungen vermeiden lassen. Setzt man auf passende Tools und Automatisierung, speziell für Kubernetes entwickelt, kann man die Ressourcen optimal nutzen, ohne an Flexibilität zu verlieren.
- Sicherheit in Kubernetes-Umgebungen entwickelt sich rasant. Wie sollten CTOs das Zusammenspiel von Betriebssystem, Kubernetes-Sicherheit und ihrer Infrastruktur-Sicherheitsstrategie betrachten?
Sicherheit ist kein Zusatz-Feature bei Kubernetes, sondern das Fundament jeder robusten Umgebung. Die enge Verzahnung von Kubernetes mit Linux ist Fluch und Segen zugleich, vor allem, da containerbezogene Angriffe immer ausgeklügelter werden. Deshalb setzen viele CTOs nicht mehr auf allgemeine Betriebssysteme, sondern auf spezialisierte Distributionen, die gezielt für Kubernetes entwickelt wurden.
Dadurch schrumpft die Angriffsfläche und Sicherheitsmechanismen sind dort implementiert, wo sie am dringendsten benötigt werden. Man kann es so sehen: Sicherheit ist von Anfang an fest eingebaut. Netzverschlüsselung sollte automatisiert werden, API-basierte Verwaltung die Regel sein (anstatt an veralteten SSH-Zugängen festzuhalten), und jede Kommunikationsstrecke sollte mit gegenseitiger TLS-Verschlüsselung geschützt werden.
Es reicht nicht, Standards nur abzuhaken – sie sind die Basis für eine Infrastruktur, die genauso sicher wie flexibel ist.
- Immer mehr SaaS-Unternehmen setzen auf hybride Cloud-Modelle. Welche Umsetzungs-Muster erkennen Sie beim Cluster-Management und bei der Deployment-Automatisierung? Welche Ansätze funktionieren auf großer Skala besonders gut?
Wenn SaaS-Unternehmen auf hybride Cloud-Modelle umsteigen, wird die Verwaltung von Clustern und automatisierten Ausrollungen in unterschiedlichen Umgebungen schnell zum Balanceakt. Zwei Strategien haben sich herauskristallisiert: Entweder betreibt man ein einziges Multi-Environment-Cluster oder setzt auf separate, auf die jeweilige Umgebung zugeschnittene Cluster – alle über ein zentrales Management-Tool verbunden.
Das Erfolgsgeheimnis dabei: wirklich infrastrukturunabhängige Deployments. Die klassischen Multi-Cloud-Tools stoßen meist an ihre Grenzen, wenn es um die Integration von Bare-Metal und Cloud geht. Die besten Teams setzen konsequent auf Automatisierung und absichtsbasierte Steuerung, sodass sich das System um die technischen Details kümmert – während sie selbst strategisch das Gesamtbild im Blick behalten.
- Mit Blick auf die nächsten 3-5 Jahre: Wie sehen Sie die Weiterentwicklung der Infrastruktur-Automatisierung? Was sollten CTOs heute tun, um ihre Kubernetes-Strategien flexibel und zukunftssicher zu halten?
Kubernetes-Infrastrukturautomatisierung steht vor einem grundlegenden Wandel. Es geht um den Abschied von altmodischen Automatisierungsskripten hin zu Systemen, die auf Absicht arbeiten – intelligente, beinahe autonome Plattformen, die mit minimalem Eingreifen ihren eigenen Kurs finden. Künstliche Intelligenz und Machine Learning verändern schon jetzt, wie wir Infrastrukturen managen: Nicht nur Troubleshooting wird automatisiert, sondern die Betriebsführung grundsätzlich neu gedacht.
Für CTOs bedeutet das: Heute in flexible, zukunftsfähige Grundlagen investieren! Das heißt, Tools und Plattformen wählen, die deklarative Prinzipien unterstützen, keinen Vendor-Lock-in erzwingen und klar zwischen dem „Was“ und dem „Wie“ unterscheiden. Dann ist man beim nächsten Technologiesprung schon einen Schritt voraus.
Kubernetes bleibt – aber die Art, wie CTOs damit umgehen, wandelt sich rasant. Die Zukunft entscheidet sich nicht daran, wer das meiste YAML verwaltet oder die schickste interne Plattform zusammenschraubt. Sie gehört denen, die Vorhersehbarkeit erschaffen. Wie Andrew sagt: Die klügsten Teams wählen Tools, mit denen sie an dem arbeiten können, was das Geschäft wirklich voranbringt – und nicht an dem, was es lediglich am Laufen hält.
Mit anderen Worten: Die nächste Generation der Infrastruktur-Innovationen sieht vermutlich viel weniger nach „selbst bauen“ aus – und viel mehr nach loslassen.
